Fördergerüst der Zeche Osterfeld Schacht 1/2 in Oberhausen

Die Zeche Osterfeld war ein Steinkohle-Bergwerk in Oberhausen-Osterfeld.[1] Der Name des Bergwerks ist von dem Ort abgeleitet, in dem sich das Bergwerk befand.[2] Das Bergwerk war Anfang des 20. Jahrhunderts eines der größten und leistungsfähigsten Steinkohlenbergwerke des Ruhrgebiets.[3] Es befand sich im Feld Oberhausen der Gutehoffnungshütte (GHH).[4] Das Bergwerk hat eine fast 130-jährige Geschichte und war über 120 Jahre in Betrieb.

Geschichte
Die Suche nach Kohle
Im Jahr 1853 begann in der Gemeinde Osterfeld die Suche nach Steinkohle. Hierzu wurden Explorationsbohrungen durch das Deckgebirge erstellt. Bereits in der Anfangsphase kam es bei diesen Bohrungen zu einem tödlichen Unfall. Außerdem bereiteten die Bohrarbeiten bei einer Teufe von 225 Metern der Bohrmannschaft große Schwierigkeiten. Das Gestein war so hart, dass täglich nur ein Bohrfortschritt von 2,5 Zentimetern erreicht wurde. In den Jahren 1855 und 1856 wurde bereits an 15 Stellen nach Kohle gebohrt. Die ersten Steinkohlen wurden in der Nähe von Eschenbrock am Grafen-Garten angebohrt. Der Finder dieser Lagerstätte war der Schreiner Hagedorn zu Essen. Ihm gelang es, im Bereich Eschenbrock gleich mit drei Bohrungen auf Steinkohle zu treffen. Hagedorn verkaufte seine Grubenfelder an die Gutehoffnungshütte. Die Hütte Jacobi, Haniel & Huisen hatte durch eigene Bohrmannschaften zwischen dem Gut Schulte-Venn und der Waghalz-Brücke drei Bohrungen niederbringen lassen, war dabei jedoch erfolglos geblieben. Auch im Bereich des Hofes Winkelhecks war eine Bohrmannschaft erfolglos tätig. Im Jahr 1873 reichte die Gutehoffnungshütte beim Bergamt Gelsenkirchen einen Betriebsplan zum Bau der Zeche Osterfeld ein.

Die Errichtung des Bergwerks
Im Jahre 1873 teufte die Zeche Oberhausen ihren Schacht 3 ab.[1] Der Schachtansatzpunkt befand sich an der Zechenstraße, der heutigen Vestischen Straße.[3] Am 16. April des Jahres 1874 kam es im Schacht bei einer Teufe von 34 Metern zu einem Schwimmsandeinbruch, dabei ging der gesamte Schacht zu Bruch. Der Schacht wurde deshalb aufgegeben[2] und im Juli 1874 wurde davon ein neuer Schacht angesetzt. Dieser Schacht hatte einen Schachtdurchmesser von sechs Metern.[3] Im Jahr 1876 erreichte der Schacht bei einer Teufe von 238 Metern das Karbon.[1] Noch während der Teufarbeiten wurden die ersten Tagesanlagen und das Kesselhaus errichtet sowie eine Gestängewasserhaltung eingebaut. Außerdem wurden Anschlüsse an die Westfälische Bahn, an die Rheinische Bahn und an die Emschertalbahn erstellt.[3] Im Jahr 1878 wurde im Schacht bei einer Teufe von 276 Metern (-228 m NN) die 1. Sohle und später bei einer Teufe von 377 Metern (-329 m NN) die 2. Sohle angesetzt.[1] Im September desselben Jahres wurde das Abteufen bei 397 Meter vorläufig eingestellt. Da die Zeche zu diesem Zeitpunkt nur diesen einen Schacht besaß, wurde für die Wetterführung im Schacht ein Wetterscheider eingebaut. Der nötige Unterdruck zum Absaugen der Abwetter wurde durch den Kamin des Kesselhauses erzeugt.[3]

Die ersten Betriebsjahre
Im Jahr 1879 wurde das Bergwerk in Zeche Osterfeld (Schacht 1) umbenannt. Gleichzeitig wurde dieser Betriebsbereich selbstständig.[1] Am 3. Oktober des Jahres 1879 ging der Schacht in Förderung. Als Antrieb diente eine Dampffördermaschine mit einer Leistung von 400 PS.[3] Das Baufeld umfasst zu diesem Zeitpunkt eine Fläche von 8,6 km2.[1] Die für den Betrieb des Bergwerks benötigten ersten Kohlenhauer und Steiger stammten aus dem südlichen Ruhrgebiet und dem Aachener Raum. Hilfsarbeiter kamen aus der näheren Umgebung und dem Münsterland und wurden im Laufe der Jahre zu Kohlenhauern ausgebildet. Fast alle untertägigen Arbeiten wurden manuell durchgeführt. Die Kohle wurde mit Keilhauen gewonnen, Sprengungen waren wegen der Schlagwettergefahr verboten. In der Streckenförderung kamen Grubenpferde zum Einsatz.[3] Im Jahr 1880 wurde bei einer Teufe von 441 Metern (-393 m NN) eine Hilfssohle in südlicher Richtung aufgefahren[1] und der Schacht tiefergeteuft. Übertage wurden die Kohlenwäsche und die Mannschaftkaue in Betrieb genommen. Die Kaue war nur mit einem großen Wasserbassin ausgerüstet, in dem sich die Bergleute nach der Arbeit waschen konnten.[3] Im Jahr 1883 wurde bei einer Teufe von 485 Metern (-437 m NN) die 3. Sohle angesetzt.[1]

Aufgrund einer Forderung der Bergbehörde aus dem Jahr 1881, nach der alle Bergwerke über einen zweiten Fluchtweg verfügen müssen, wurde die Zeche Osterfeld im Jahr 1885 untertägig mit der Zeche Oberhausen verbunden.[3] Am 4. Dezember des Jahres 1885 ereignete sich in einer Abteilung der Zeche eine Schlagwetterexplosion, bei der zwölf Bergleute ums Leben kamen. Die Abteilung musste infolgedessen aufgegeben werden.[1] Im darauffolgenden Jahr wurde Übertage ein Grubenlüfter installiert. Der Lüfter wurde mit einer Dampfmaschine angetrieben und brachte eine spürbare Verbesserung der Bewetterung und eine bessere Wetterkühlung.[3] Im Jahr 1895 wurde eine Kokerei in Betrieb genommen. Im Jahr 1897 wurde bei einer Teufe von 586 Metern (-538 m NN) die 4. Sohle angesetzt. Diese Sohle wurde nicht direkt vom Hauptschacht, sondern über einen Blindschacht angesetzt.[1] Aufgrund der steigenden Kohlenförderung verschlechterte sich das Grubenklima wieder. Daher beschloss die Werksleitung, einen zweiten Schacht abzuteufen.[3]

Ab dem Jahre 1898 wurde neben Schacht 1 der Schacht 2 mit fünf Metern Durchmesser niedergebracht.[2] Der Ansatzpunkt dieses Schachtes lag 185 Meter östlich von Schacht 1.[3] Im Jahr 1897 erreichte Schacht 2 bei einer Teufe von 238 Metern das Karbon. Es wurde ein Durchschlag mit der 2. Sohle erstellt.[1] Der Schacht wurde mit einem neuen Grubenlüfter ausgerüstet. Im Juli des Jahres 1900 wurde der Schacht Osterfeld 2 als Abwetterschacht und Schacht Osterfeld 1 als Frischwetterschacht eingesetzt.[3]

Das 20. Jahrhundert
Im Jahr 1902 erreichte der Wetterschacht (Schacht 2) die 4. Sohle, es wurde mit der Förderung begonnen.[1] Im selben Jahr wurde die Gestängewasserhaltung durch eine modernere Wasserhaltung mit zwei Kolbenpumpen ersetzt. Diese Pumpen wurden mittels Dampf angetrieben und auf der 4. Sohle installiert.[3] Im Jahr darauf erreichte der Schacht seine Endteufe von 612 Metern.[2] Noch im selben Jahr wurden von den Schachthauern alle Einstriche und die Schachtführung eingebaut. Die Gutehoffnungshütte AG beabsichtigte, die Kohlenförderung zu intensivieren. Um höhere Förderkapazitäten bieten zu können, reichte es nach Planungen der Werksleitung nicht aus, nur die Belegschaft aufzustocken, sondern es wurde ein weiterer Schacht benötigt.[3] Noch im Jahr 1903 wurde mit den Teufarbeiten für den Wetterschacht 3 begonnen. Der Schachtansatzpunkt befand sich nördlich der Schächte 1 und 2.[1] Der Schacht hatte einen Schachtdurchmesser von 6,1 Metern.[3] Noch im gleichen Jahr wurde der Schacht mit der 3. Sohle durchschlägig.[1] Im November des darauffolgenden Jahres wurde der Schacht mit der 4. Sohle durchschlägig. Im Jahr 1905 wurden zwei neue Grubenlüfter in Betrieb genommen, die eine Wettermenge von 16.000 m3 pro Minute absaugen konnten.[3] Im Jahr 1906 ging der Wetterschacht 3 als einziehender Schacht in Betrieb.[1] Die Schächte 1 und 2 dienten nun als Abwetterschächte und Schacht 3 als Frischwetterschacht.[3] Im Jahr 1907 wurde bei einer Teufe von 296 Metern (-248 m NN) eine neue 1. Sohle angesetzt. Diese neue Sohle diente der Ausrichtung des Nordfeldes.[1]

Nach 1905 wurde begonnen, den Grubenbetrieb technisch zu verbessern. In der Streckenförderung wurden Grubenloks eingesetzt, die 170 Grubenpferde wurden nach und nach aufs Altenteil geschickt. In der Hauptwasserhaltung wurden die zwei dampfgetriebenen Pumpen gegen zwei elektrische Kreiselpumpen ausgetauscht. Der Strom für die beiden Pumpen wurde von einem übertägig installierten Generator erzeugt. Trotz der Bewetterung über drei Schächte blieben die Grubenbaue von Osterfeld stark schlagwettergefährdet. Insbesondere die weitere Ausdehnung des Grubengebäudes zwang die Werksleitung zum Handeln.[3] Aus diesem Grund wurde im Jahr 1912 begonnen, den Wetterschacht 4 abzuteufen. Der Schacht befand sich im Nordfeld, 1,7 Kilometer nördlich der Schächte 1 bis 3.[1] Im Sommer desselben Jahres kam es auf der Zeche Osterfeld zu einem weiteren Grubenunglück. Bei einer Schlagwetterexplosion, die sich am 3. Juli ereignete, verloren 16 Bergleute ihr Leben.[5] Bei der bergbehördlichen Untersuchung des Unglücks wurde als Ursache für diese Explosion menschliches Fehlverhalten festgestellt.[3] In einem Aufbruch waren zwecks Sprengung fünf Bohrlöcher erstellt worden. Bei diesen Bohrarbeiten war ein Kohlenflöz mit angebohrt worden. Bei den folgenden Sprengarbeiten war, anstelle des für solche Sprengungen vorgeschriebenen Wettersprengstoffes, Dynamit verwendet worden. Die Detonation des Sprengstoffes entzündete das aus den Bohrlöchern ausströmende Methan, das aus dem angebohrten Kohlenflöz ausströmte.[5] Im Jahr 1914 erreichte der Wetterschacht 4 bei einer Teufe von 314 Metern das Karbon. Es wurde ein Durchschlag mit der 2. Sohle erstellt.[

Die letzten Jahre bis zur Stilllegung
Die sich verschärfende Absatzsituation für Kokskohle und Koks führte ab Ende der 1980er Jahre zu einer schrittweisen Außerbetriebnahme des Förderstandortes Osterfeld.[8] Die Kokerei wurde am 13. März des Jahres 1988 stillgelegt. Die Betriebsanlagen der Kokerei wurden bis zum Herbst des Jahres 1990 abgebrochen.[9] Im Jahr 1989 beschloss die Ruhrkohle AG, den Zusammenschluss der Zeche „Osterfeld“ mit der benachbarten Zeche Lohberg zum „Bergwerk Lohberg-Osterfeld“. Der Förderstandort Osterfeld sollte aufgegeben, das restliche Grubenfeld von Zeche „Lohberg“ aus abgebaut werden.[8] Dieser Zusammenschluss wurde am 1. Juli des Jahres 1989 vollzogen.[1]

Das Nordfeld mit dem Nordschacht wurde vorerst in das Grubengebäude des neuen Verbundbergwerks integriert. Die abgebauten Kohlen aus dem Baufeld Osterfeld wurden über eine Bandstraße Untertage bis zum Standort Lohberg gefördert. Diese Bandstraße hatte eine Länge von über fünf Kilometern und ging am 2. Januar des Jahres 1992 in Betrieb. Die Bandstraße wurde mit der neuesten Prozeßleittechnik gesteuert, die Antriebsmotoren waren über Frequenzumrichter angetrieben. Dadurch war eine optimale Beladung und Ausnutzung der Förderbänder gewährleistet. Im Oktober des Jahres 1993 wurden die Schächte „Osterfeld“ 4 und „Hugo Haniel“ verfüllt. Im November desselben Jahres folgten die Schächte „Osterfeld“ 1 und „Osterfeld“ 3. Diese Schächte wurden mit bergbehördlicher Genehmigung nur teilverfüllt. Am 10. November 1993 wurde die Aufbereitung und am 12. Januar des Jahres 1994 der Förderturm des Schachtes „Osterfeld“ 1 gesprengt. Bis zum Ende des ersten Quartals des Jahres 1995 wurden die weiteren Tagesanlagen der Zeche „Osterfeld 1/3“ bis auf das Fördergerüst des „Paul-Reusch-Schachtes“ sowie einige Eingangsgebäude abgebrochen. Der Schacht Sterkrade 2 und die Grubenlüfter wurden noch bis zum Dezember 1995 in Betrieb gehalten, danach wurde der Schacht teilverfüllt und die Anlagen abgerissen. Der Betrieb der Kaue wurde am 31 März des Jahres 1998 stillgelegt. Nach der Schließung der Kauen auf dem Betriebsbereich Lohberg wurden die Bergleute zum Betriebsbereich Lohberg verlegt. Von dort wurden die Bergleute eines Abbaureviers noch bis zum 31. Mai desselben Jahres vom Standort Lohberg mit Bussen zum Baufeld Osterfeld befördert, um den letzten Abbaubetrieb noch bis zu Ende zu fahren.[8] 2006 wurde der Nordschacht verfüllt und die Tagesanlagen im November 2007 abgerissen. Das Gelände wurde wieder begrünt.

Heutiger Zustand
Auf dem Gelände der Zeche „Osterfeld 1/3“ wurde später die Oberhausener Landesgartenschau 1999 (kurz OLGA) durchgeführt.[11] Schacht „Osterfeld 4“ blieb einstweilen erhalten. Über die Nachfolgenutzung des Geländes rund um den Schacht wurde seit dem Juni des Jahres 1990 lange Zeit gestritten.[12] Das Pförtnerhaus und die Mischhalle wurden unter Denkmalschutz gestellt.[8] Außerdem wurde das Bürogebäude aus dem Jahr 1910 als bergbauliches Denkmal eingestuft.[2] Auf der Zeche „Sterkrade“ ist das Fördergerüst über Schacht „Sterkrade 1“ sowie die dazugehörige Schachthalle als Industriedenkmal erhalten.[8] Von Schacht „Hugo Haniel“ findet man heute nur noch den Schachtdeckel und zwei Hinweisschilder im Gelände.[13] Auf einer Wiese in der Nähe der Ripshorster Brücke am Rhein-Herne-Kanal findet man heute noch das Fundament ehemaliger Maschinenlager mit Toren und Mauersteinen der ehemaligen Zeche „Osterfeld“.

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Zeche Osterfeld aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der Doppellizenz GNU-Lizenz für freie Dokumentation und Creative Commons CC-BY-SA 3.0 Unported (Kurzfassung (de)). In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Für die Anreise mit dem Navi geben Sie bitte folgende Adresse ein:

Zum Steigerhaus 2
46117 Oberhausen

Geodaten: 51.503169, 6.876449  (kopieren und einfügen bei Google Maps)

Erster Test-Videoflug Zeche Osterfeld von KarlsonvomDach2012

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